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Wie kommt die Farbe in das Gefieder?

Im Kapitel Anatomie (Aufbau der Feder im Detail – Querschnitt durch einen Federast) haben wir gesehen, daß eine Feder im Detail aus Federkiel und Federfahne aufgebaut ist. Die Federfahne besteht aus vom Federkiel abzweigenden Federästen, von welchen wiederum die Bogen- und Hakenstrahlen abzweigen. Wie kommt nun die Farbe in die Feder? Schauen wir uns hierfür erstmal einen schematischen Querschnitt durch einen einzelnen Federast an.



Jeder Federast besteht also aus mehreren Schichten, von außen nach innen hin betrachtet aus der Rindenschicht, der Strukturzellenschicht (Kästchenzellenschicht) und dem Federkern (zentrale Markschicht).
Die Gefiederfarbstoffe, die für das prachtvoll gefärbte Gefieder unserer Sittiche und Papageien verantwortlich sind, sind Melanin- und Psittacofulvinfarbstoffe. Während die Melaninfarbstoffe, welche schwarz/grau und braun sein können, von sehr vielen Lebewesen eingesetzt werden, sind die Psittacofulvine eine Farbstoffklasse, derer sich in der Tierwelt nur die Papageien (Psittaciden) bedienen und die der Familie der Papageien zu ihrem Namen verholfen hat. Sie sind gelb bis rot und werden auch als Fettfarbstoffe bezeichnet, weil sie in Fett löslich sind und über Fetttröpfchen von den Federfollikeln in die wachsenden Federn transportiert werden.
Auch Carotinoide – jene Farbstoffe, die für die gelben, orangen und roten Farben in allen anderen Vogelarten verantwortlich sind – werden als Fettfarbstoffe bezeichnet, was mitunter zu Verwechslungen führen kann. Carotinoide werden teilweise über die Nahrung zugefügt, teilweise an zentralen Stellen im Körper als Stoffwechselprodukte hergestellt und über den Blutkreislauf zu den Federfollikeln transportiert. Psittacofulvine werden direkt an den Federfollikeln synthetisiert. Obwohl Papageien Carotinoide aufnehmen und synthetisieren können, bauen sie diese nicht in ihre Federn ein. Sie benötigen sie dennoch, da Carotinoide eine wichtige Funktion als Antioxidantien haben.
Die Psittacofulvine (oft auch als Psittacine bezeichnet) werden während des Federwachstums in der weitgehend unstrukturierten äußeren Rindenschicht eingelagert. Hier können zudem Melaninfarbstoffe eingelagert werden, man spricht dann von sogenannten Vordergrundmelaninen. Vordergrundmelanine sind beispielsweise für das schwarz der Wellenzeichnung beim Wellensittich verantwortlich.
Auf die Rindenschicht folgt die Strukturzellenschicht. Diese Schicht besteht aus einem Keratingerüst, welches von röhrenartigen Hohlräumen durchzogen ist. Die Strukturzellenschicht selbst ist farblos.
In der innersten Schicht, dem Federkern, werden ebenfalls Melaninfarbstoffe eingelagert. Man spricht hier von den sogenannten Hintergrundmelaninen (weil sie im Hintergrund, im Federinneren eingelagert werden).
Jetzt haben wir also eine gelbe/rote äußere Schicht (manchmal auch grau, schwarz oder braun, wenn Vordergrundmelanine eingelagert sind), eine farblose Strukturzellenschicht und einen schwarzen Federkern. Wie kommen wir nun zu einer grünen Farbe, die so vielen Sittichen und Papageien eigen ist? Wie erklärt man Blau? Die Antwort dafür liegt in der Lichtreflexion und der konstruktiven Interferenz der Lichtwellen (lange glaubte man, daß ebenso wie für die blaue Farbe des Himmels Streuung für die blaue Farbe der Federn verantwortlich ist und das liest man auch heute noch in Vogelbüchern, es ist aber falsch). Das Licht trifft durch die Rindenschicht und die Strukturzellenschicht auf den Federkern, an welchem es reflektiert wird. Interferenz der Lichtwellen in der Strukturzellenschicht führt dann zu einer blauen Farbe. Kommt nun noch gelb aus der Rindenschicht hinzu, so entsteht für das Auge grün. Wellensittichen mit Graufaktor fehlt diese Strukturzellenschicht, sie sind daher - ebenso wie Nymphensittiche, die auch keine Strukturzellenschicht besitzen - nicht in der Lage die Farben grün oder blau zu zeigen.

Eine weitere Farbe, die nicht im sichtbaren Bereich liegt, ist UV. Während uns nicht auffällt, daß die gelben Federn der Wellensittiche außerdem Licht im UV-Bereich reflektieren, fand man heraus, daß dies für die Vögel bei der Partnerwahl mitentscheidend ist.

Was für Farbmöglichkeiten haben wir nun?

a) Alle Farbstoffe werden eingelagert, das bedeutet beispielsweise beim Wellensittich als Körperfarbe grün: gelb (Rindenschicht) + blau (Strukturzellenschicht und schwarzer Federkern), sowie eine schwarze Wellenzeichnung in den Bereichen, in denen Vordergrundmelanine eingelagert werden.

Da der Nymphensittich keine geordnete Strukturzellenschicht besitzt, sind die Farben grün und blau nicht möglich.

b) Es wird kein Melanin eingelagert. Die fehlende Lichtreflexion am "leeren" Federkern verhindert die Farbe blau, der Vogel ist gelb (oder rot, je nach Farbe der Psittacine). Die Vögel werden als Lutinos bezeichnet. c) Es wird kein Psittacin eingelagert. Es fehlt der gelbe Farbanteil, die Vögel sind blau.

Nymphensittiche besitzen keine geordnete Strukturzellenschicht, daher ist die Mutation, die kein Psittacin einlagert natürlich nicht blau, sondern in den Bereichen, in denen auch kein Vordergrundmelanin eingelagert wird weiß. Es handelt sich hierbei um Weißkopfnymphensittiche.

d) Es wird weder Psittacin noch Melanin eingelagert. Der resultierende Vogel ist weiß (im Sprachgebrauch als Albino bezeichnet).

Nun haben wir die Gefiederfarbstoffvariationen durch. Was kann man noch ändern? Die Strukturzellenschicht. Ist sie dünner, erscheint der Vogel dunkler, deshalb wird eine Mutation, die diese Schicht beeinflußt, als Dunkelfaktor bezeichnet. Man erhält bei einem Dunkelfaktor dunkelgrüne, bei zwei Dunkelfaktoren olive Vögel (bzw. dunkelblau und mauve in der Blaureihe). Fehlt die Strukturzellenschicht, fehlt der blaue Farbanteil völlig - diese Mutation wird als Graufaktor bezeichnet. Eine weitere Mutation der Strukturzellenschicht ist der Violettfaktor, hier ensteht aufgrund einer Änderung der Makrostruktur durch konstruktive Interferenz anstelle von blau violett.
Nymphensittiche haben wie bereits oben erwähnt keine geordnete Strukturzellenschicht - sie entsprechen genetisch Wellensittichen mit doppeltem Graufaktor. Man spricht zwar auch beim Nymphensittich vom "Dunkelfaktor", hier ist dann aber die Menge an eingelagerten Vordergrundmelaninen gemeint.


erstellt 06.05.2005 von Rosmary und Anke | überarbeitet am 23.05.2005 von ID: 122 | SID: 8000-0


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